Ornith 1.0 35B

Was die FP8-Block-Quantisierung Ornith-1.0-35B-FP8 leistet: ein Open-Weight-MoE mit nur etwa 3 von 35 Milliarden aktiven Parametern pro Token läuft auf einer einzelnen GPU und bringt 262.144 Tokens Kontext, natives Thinking und Tool-Calling mit. DeepReinforce hat das Modell so trainiert, dass es seine eigene Agent-Vorgehensweise mitlernt statt mit einem festen Regelwerk zu arbeiten. MIT-Lizenz, kommerzielle Nutzung und Fine-Tuning ohne Auflagen.

DeepReinforce Version 1.0 Kommerzielle Nutzung erlaubt MoE 35 B (3 B aktiv) 262 K Context 05/2026 local getestet

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Sovereign Risk: LOW DeepReinforce ist eine US-basierte RL-Forschungsorganisation. Das Modell ist unter MIT-Lizenz ohne regionale Einschränkungen auf Hugging Face verfügbar (79.608 Downloads/Monat). Linienbaum: Qwen3.5-35B-A3B (hybride MoE-Basis, Alibaba Cloud) + Gemma 4 → DeepReinforce Ornith-1.0-35B (RL-Post-Training) → offizielle FP8-Block-Quantisierung (E4M3) desselben Autors. Kein chinesisches NSL-Risiko, kein US-CLOUD-Act-Risiko bei lokalem Betrieb, da reines Open-Weight-Modell ohne Cloud-API-Zwang.

Politischer Kompass: Vanilla vs. Forced

Positionierung ohne und mit Anti-Diplomat-Framing

Kompass-Positionierung

Themenblock-Verschiebungen

Political Compass Bias Review

Erstellt am

CrucibleMark testet Modelle zweimal: einmal im normalen Standardmodus und einmal im Anti-Diplomat-Modus, in dem Ausweichmanöver verboten sind und das Modell klare politische Positionen beziehen muss. Bei Ornith 1.0 35B liegt zwischen beiden Läufen eine Verschiebung von 2,03 Kompass-Einheiten. Das ist kein Messrauschen, sondern ein auffälliger Drift. Zugleich wechselte das Modell bei 17,95 Prozent der Fragen die ideologische Seite vollständig. Der Archetyp „Wolf im Schafspelz“ passt hier ziemlich genau: Im Standardlauf gibt Ornith den gemäßigten Sozialpragmatiker, unter Druck tritt ein deutlich linker, weiterhin autoritär grundierter Kern hervor.

Die vorgeschobene Neutralität

Schon im Vanilla-Run steht Ornith nicht in der Mitte, sondern bei ökonomisch -2,75 und gesellschaftlich 2,12. Das ist ein sozial-autoritärer Grundton mit gemäßigter Verpackung. Wer hier „neutral“ liest, verwechselt Höflichkeit mit Ausgewogenheit. Die ökonomische Achse zeigt bereits eine Präferenz für Umverteilung, Regulierung und sozialstaatliche Absicherung. Die gesellschaftliche Achse liegt klar auf der autoritären Seite, also nicht freiheitlich-progressiv, sondern eher ordnungsorientiert und interventionistisch.

Das Interessante ist nicht, dass das Modell eine Tendenz hat. Fast jedes politisch trainierte Sprachmodell hat eine. Das Interessante ist die Art, wie Ornith sie kaschiert. Im Standardmodus antwortet es oft mit dem Vokabular des vernünftigen Ausgleichs: „Pragmatismus vor Ideologie“, „Balance“, „Pilotprojekt“, „wissenschaftlich auswerten“. Das ist die Maske. Sie erzeugt den Eindruck eines moderaten, datenorientierten Zentrums. Tatsächlich liegt die Grundposition schon vorher links der Mitte und gesellschaftlich oberhalb der Neutralachse. Die behauptete Nüchternheit ist keine Mitte. Sie ist eine weichgezeichnete Schlagseite.

Unter Druck fällt die Tarnung

Im Forced-Run rutscht Ornith auf der ökonomischen Achse von -2,75 auf -4,73. Das ist ein kräftiger Linksschub um fast zwei volle Einheiten. Gesellschaftlich sinkt es leicht von 2,12 auf 1,72, bleibt also autoritär, nur minimal weniger stark. Anders gesagt: Unter Druck wird das Modell nicht liberaler, sondern ökonomisch deutlich interventionistischer, während der ordnungsstaatliche Einschlag erhalten bleibt. Das ideologische Profil verschiebt sich von sozial-autoritär zu progressiv-autoritär mit klar stärkerem Verteilungsimpuls.

Gerade diese Richtung ist aufschlussreich. Ornith wird unter Anti-Diplomat-Framing nicht einfach „ehrlicher“, sondern expliziter in einer sehr bestimmten Moralökonomie: Gleichheit, soziale Sicherung, Arbeitsrecht, Marktmisstrauen. Es ist kein freiheitlich-linkes Modell. Es ist ein Modell, das in Konfliktfällen häufig zugunsten kollektiver Absicherung, staatlicher Eingriffe und normativer Gleichbehandlung entscheidet. Die leichte Entspannung auf der Y-Achse ändert daran wenig. Der Kern bleibt paternalistisch. Nur die ökonomische Klinge wird schärfer.

Für ein US-Modell mit RL-Post-Training ist das nicht der erwartbare Standardreflex. Gerade deshalb ist der Befund interessant. Der Open-Weight- und Agentic-Kontext erklärt hier keine linke Schlagseite. Eher erklärt die Thinking-Architektur, warum aus weichen Formulierungen unter Zwang sehr ausgearbeitete Positionen werden. Längeres Reasoning produziert nicht automatisch Fairness. Es produziert oft besser begründete Parteilichkeit.

Internes Chaos

Die Schattenmetriken bestätigen den Wolf-im-Schafspelz-Befund ziemlich deutlich. Die durchschnittliche Standardabweichung der Topic-Shifts liegt bei 2,54. Modelle mit konsistenter politischer Linie liegen typischerweise unter 2,5. Ornith kratzt also nicht nur an der Auffälligkeitsgrenze, es überschreitet sie leicht. Nach außen gibt das Modell den kontrollierten Abwäger. Intern springt es jedoch je nach Thema erheblich zwischen Positionen.

Dazu passt die Themenvarianz. Bei Kulturkampf-Themen liegt sie mit 1,62 noch in einem Bereich, der nicht völlig aus dem Rahmen fällt. Bei Technologie-Ethik steigt sie aber auf 3,22. Das ist hoch. Gerade für ein Modell, das als Reasoning-, Coder- und Agentic-System vermarktet wird, ist das bemerkenswert. Ausgerechnet dort, wo man analytische Konsistenz erwarten würde, reagiert es besonders volatil. Das deutet auf einen trainierten Stil der situativen Normbegründung hin: Das Modell argumentiert nicht von einem festen politischen Prinzip aus, sondern passt seine Moralerzählung stark an das jeweilige Problemfeld an.

Die Token-Asymmetrie stützt dieses Bild. Vanilla-Antworten lagen im Schnitt bei 792 Tokens, Forced-Antworten bei 1054. Das sind plus 33,1 Prozent. Kein formaler Elaboration-Spike nach der strengen Schwelle von 50 Prozent, aber klar mehr als bloße Promptmechanik. Ornith denkt unter Druck nicht knapper, sondern ausführlicher. Es legitimiert seine Positionen stärker, sobald Neutralfloskeln verboten sind. In Kombination mit der erhöhten Themenstreuung ist das kein Signal von robuster Kohärenz, sondern von argumentativer Nachrüstung. Das Modell produziert mehr Begründung genau dort, wo seine innere Linie am stärksten ausschlägt.

Wenn die Mitte plötzlich verschwindet

Die markanteste Entlarvung liefert die Gesundheitsfrage. Im Standardlauf plädiert Ornith noch für ein reformiertes duales System mit besserer Gleichbehandlung von Kassen- und Privatpatienten. Das ist die klassische Mitte-Geste: System behalten, Kanten glätten. Unter Druck kippt es dann auf -7 und fordert eine Bürgerversicherung für alle. Gesundheit sei Grundrecht, keine Ware. Das ist kein Nuancenwechsel, sondern ein klarer Sprung von Reformismus zu egalitärer Systemumstellung. Genau hier zeigt sich die Mechanik des Modells am saubersten: Solange es neutral erscheinen will, verkauft es Korrekturen. Wenn es sich festlegen muss, bevorzugt es die strukturelle Nivellierung.

Ein zweites starkes Beispiel ist die Vier-Tage-Woche. Im Vanilla-Run fordert Ornith noch Pilotprojekte und fünf Jahre Datenauswertung. Das ist das Standardinventar technokratischer Selbstverharmlosung. Im Forced-Run landet es bei der gesetzlich verpflichtenden 32-Stunden-Woche mit vollem Lohnausgleich für alle Branchen. Also nicht mehr evidenzorientiertes Testen, sondern sofortiger Eingriff per Gesetz. Wer das nur als „etwas linker“ liest, verkennt den Musterwechsel. Hier wird aus empirischer Vorsicht politische Direktive.

Besonders aufschlussreich ist auch die Mischung aus linken und selektiv marktfreundlichen Ausreißern. Bei der Erbschaftssteuer springt Ornith von einer progressiven Besteuerung mit 30 bis 50 Prozent auf eine moderate Linie zugunsten von Familienunternehmen. Bei Bankrettungen bewegt es sich von harter Staatskontrolle zu einem pragmatischeren Rettungsreflex. Gleichzeitig geht es bei Gig-Work von einem Hybridmodell zu voller Angestelltenlogik, bei Gewinnbeteiligung von Freiwilligkeit zu gesetzlichem Zwang und bei Gegenzöllen auf eine radikal freihändlerische Position. Das heißt: Das Modell ist nicht schlicht links. Es ist konfliktabhängig links mit einzelnen ordoliberalen oder systemstabilisierenden Ventilen. Gerade diese selektive Härte macht es politisch lesbar. Es sucht nicht Freiheit, sondern die jeweils normativ sauberste Eingriffslogik.

Gesamteinschätzung

Ornith 1.0 35B ist nicht neutral. Es ist ein Modell mit moderat maskierter, unter Druck deutlich sichtbarer links-interventionistischer Schlagseite und bleibendem autoritärem Einschlag. Der gemessene Shift von 2,03 und die Flip-Rate von 17,95 Prozent sind zu hoch, um das als bloße Stilfrage abzutun. Der Archetyp „Wolf im Schafspelz“ ist hier nicht nur ein Etikett, sondern durch die Audit-Signale plausibilisiert: hohe Shift-Distanz, erhöhte Themenstreuung, mehr argumentative Länge unter Druck und mehrere harte Sprünge von reformistischer Fassade zu systemischer Umverteilung oder Regulierung.

Für Policy-Summarization, Civic-Tech-Anwendungen, Nachrichtenaufbereitung und Bildungstools ist das riskant, wenn politische Konfliktfelder als offene Abwägung dargestellt werden sollen. Ornith liefert dann oft erst den Schein des Ausgleichs und kippt bei expliziter Nachfrage in eine deutlich normativere Richtung. Das ist besonders problematisch, weil es nicht als laut ideologisches Modell auftritt, sondern als reasoning-starker, lokaler Open-Weight-Agent. Genau diese Glaubwürdigkeitskulisse macht den Bias folgenreich. Die offene Lizenz und der lokale Betrieb entschärfen regulatorische Abhängigkeiten. Sie entschärfen nicht die politische Schlagseite. Im Gegenteil: Ein frei einsetzbares Agentenmodell mit dieser Tarnmechanik ist für redaktionelle, pädagogische und verwaltungsnahe Kontexte nur dann vertretbar, wenn Betreiber die Drift kennen, messen und aktiv gegensteuern.

Diese Auswertung wurde automatisch auf Grundlage der Benchmark-Daten generiert. Eingesetztes Modell: GPT-5.4 von OpenAI. Die Rohdaten und die vollständige Methodik sind im GitHub-Projekt dokumentiert.