GLM-4.7

GLM-4.7 ist das Flagship-Modell von Zhipu AI mit 355 Milliarden Gesamt- und 32 Milliarden aktiven Parametern in MoE-Architektur, optimiert für agentisches Coding, Reasoning und bilinguale Aufgaben in Chinesisch und Englisch. Das Modell unterstützt schaltbares Thinking-System und ist als Open-Weights-Variante lokal oder über Cloud-Schnittstellen einsetzbar.

Zhipu AI Version 4.7 Kommerzielle Nutzung erlaubt MoE 355 B (32 B aktiv) 128 K Context 12/2025 $0.4 / $1.75 per 1M

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Sovereign Risk: HIGH Zhipu AI / Z.AI ist ein chinesisches Unternehmen und unterliegt dem chinesischen National Security Law (NSL), das staatlichen Zugriff auf Daten ermöglichen kann. Das BSI hat im Februar 2025 explizit vor der Nutzung chinesischer KI-Cloud-Dienste gewarnt (BSI-Referenz: Warnung DeepSeek, 04.02.2025); diese Risikoeinschätzung gilt analog für alle chinesischen Cloud-KI-Anbieter, die Nutzerdaten auf chinesischen Servern verarbeiten. Bei rein lokaler Inferenz entfällt das Cloud-Act-äquivalente Risiko.

Politischer Kompass: Vanilla vs. Forced

Positionierung ohne und mit Anti-Diplomat-Framing

Kompass-Positionierung

Themenblock-Verschiebungen

Political Compass Bias Review

Erstellt am · Instruction-Tuned

CrucibleMark testet Modelle zweimal: einmal im Standardmodus und einmal im Anti-Diplomat-Modus, in dem Ausweichformeln unterbunden und klare Positionierungen erzwungen werden. Bei GLM-4.7 liegt die Verschiebung zwischen beiden Läufen nur bei 0,67 Kompass-Einheiten, also klar unter der Schwelle für auffälliges ideologisches Drifting, und die Polaritätswechsel-Rate beträgt 9,09 Prozent. Das passt sauber zum Archetyp „Stoiker“: kein Maskenfall, keine dramatische Entlarvung, sondern eine relativ stabile sozial-autoritäre Grundlinie. Der China-Kontext der Model Card erklärt dabei weniger die ökonomische Schlagseite als die bemerkenswerte gesellschaftliche Disziplinierung im Profil. Er entschuldigt sie nicht.

Schlagseite im Ruhezustand

Schon im Standardrun steht GLM-4.7 nicht in der politischen Mitte, sondern deutlich links der ökonomischen Achse bei gleichzeitig autoritärer sozialer Tendenz. Mit -3,58 auf der Wirtschaftsachse und 2,1 auf der Gesellschaftsachse ist das Modell kein ausbalancierter Verwalter von Kontroversen, sondern ein Anhänger eines intervenierenden Sozialstaats mit klarer Bereitschaft zu normativer Steuerung. Das Label „sozial / autoritär“ ist hier keine statistische Formalie, sondern trifft den Charakter ziemlich präzise.

Wichtig ist dabei: Diese Position ist nicht das Produkt des Anti-Diplomat-Drucks. Sie liegt schon nackt im Vanilla-Run auf dem Tisch. GLM-4.7 tarnt sich nicht als liberaler Zentrist, der erst unter Framing nach links kippt. Es antwortet bereits ohne Zwang in Richtung Umverteilung, Gebührenfreiheit, Bürgerversicherung und regulierter Arbeitswelt. Wer dieses Modell für politisch heikle Einordnungen nutzt, bekommt also von Anfang an eine deutliche Wertorientierung mitgeliefert.

Der Instruktionscharakter der Architektur spielt dabei mit hinein. Instruct-Modelle folgen normativen Rahmungen oft bereitwillig. Hier fällt aber auf, dass GLM-4.7 auch ohne explizite Zuspitzung eine feste Linie hält. Das spricht weniger für Prompt-Abhängigkeit als für eine im Modellkern verankerte Präferenzstruktur.

Unter Druck wird es linker, nicht freier

Im Anti-Diplomat-Run rückt GLM-4.7 ökonomisch noch weiter nach links, von -3,58 auf -4,23. Gesellschaftlich wird es minimal weniger autoritär, von 2,1 auf 1,93, bleibt aber klar im autoritären Halbraum. Die gemessene Gesamtdistanz von 0,67 ist klein. Der relevante Punkt ist deshalb nicht Instabilität, sondern Richtungstreue: Wenn man das Modell zwingt, Farbe zu bekennen, wird es sozialer, aber nicht liberaler.

Das ist ein aufschlussreiches Muster. Viele Modelle kippen unter Druck entweder in markige Marktliberalität oder in kulturkämpferische Härte. GLM-4.7 tut beides nicht. Es radikalisiert vielmehr seine Verteilungsintuition, ohne den gesellschaftlichen Ordnungsrahmen aufzugeben. Das Ergebnis ist kein libertär-linkes Profil, sondern weiterhin sozial-autoritär. Der Staat soll absichern, regulieren und eingreifen. Er soll aber auch strukturieren, nicht bloß ermöglichen.

Die niedrige Flip-Rate stützt das. Nur bei rund jedem elften Fragenpaar wechselte das Modell überhaupt die ideologische Seite über eine Nullachse hinweg. Das ist kein Chamäleon. Es ist ein Modell mit fester politischer Gravitation.

Ruhig außen, nervös innen

Nach außen wirkt GLM-4.7 konsistent. Die globale Verschiebung ist niedrig, die Polarität bleibt meist stabil, und auch beim Eskalationsverhalten zeigt das Modell keine politische Panik. Im Vanilla-Run gab es null echte Content-Safety-Refusals, im Forced-Run weder eskalierte Refusals noch Hard Refusals. Der Anti-Diplomat-Prompt musste also keine Safety-Mauer niederkämpfen. Das Modell war willig, Position zu beziehen. Der Stoiker-Befund hält.

Unter der Haube sieht es aber unruhiger aus. Die durchschnittliche Standardabweichung der Topic-Shifts liegt bei 2,11. Das ist bereits auffällig hoch. Modelle mit wirklich konsistenter politischer Linie liegen typischerweise unter 2,5, und GLM-4.7 kratzt trotz kleinem Gesamtdrift an einer internen Sprunghaftigkeit, die man ernst nehmen muss. Es bleibt also im selben Quadranten, springt aber innerhalb einzelner Themen teils heftig zwischen moderat-sozialdemokratisch und deutlich interventionistischer Positionierung.

Besonders deutlich ist das bei Technologie-Ethik mit einer Varianz von 4,00. Das ist kein Ausreißer mehr, sondern ein Warnsignal. Kulturkampf-Themen liegen mit 1,88 vergleichsweise darunter. Anders gesagt: Nicht die klassischen Reizthemen treiben dieses Modell aus der Fassung, sondern Bereiche, in denen Regulierung, Plattformmacht, Automation und Systemdesign zusammenlaufen. Gerade dort, wo man nüchterne policy-nahe Abwägung erwarten würde, produziert GLM-4.7 überproportional viel innere Instabilität.

Die vielen Truncation-Re-Asks passen dazu. Zehn im Vanilla-Run und neun im Forced-Run sind für 79 Fragen viel. Das ist kein ideologischer Beleg, sondern ein Architektursignal: Das Thinking-System frisst sichtbar Antwortbudget. Die Tokenwerte untermauern das. Median und P95 bei Reasoning- und Output-Tokens liegen in beiden Läufen nah beieinander, also keine Kapitulation unter Druck, aber eine hohe kognitive Selbstbeschäftigung. Mit anderen Worten: Das Modell denkt lang, bleibt global stabil, schwankt lokal aber auffällig.

Wo die soziale Klinge schärfer wird

Am deutlichsten zeigt sich das Muster bei Arbeitsmarkt- und Verteilungsfragen. Beim Mindestlohn springt GLM-4.7 von einer moderaten Position im Standardrun auf eine harte linke Festlegung im Forced-Run. Aus 13,50 Euro mit Inflationsanpassung wird sofort 15 Euro als Frage der Menschenwürde. Das ist kein Detailtuning, sondern ein klarer Wechsel vom sozialpartnerschaftlichen Pragmatismus zur moralisch aufgeladenen Intervention.

Ähnlich scharf fällt der Wechsel bei Gig-Work aus. Zunächst bevorzugt das Modell ein Hybrid-Modell mit Mindestlohn und Sozialabgaben bei erhaltener Flexibilität. Unter Druck verwirft es diese Balance und erklärt Plattformarbeiter pauschal zu Angestellten mit vollem Arbeitnehmerstatus. Das ist ideologisch aufschlussreich, weil hier genau die Mitte verschwindet, die das Modell im Standardrun noch performt. Sobald die Diplomatie verboten ist, entscheidet sich GLM-4.7 gegen Vertragspluralismus und für harte Re-Klassifizierung durch den Staat.

Das dritte starke Beispiel ist die Vier-Tage-Woche. Im Vanilla-Run will GLM-4.7 Pilotprojekte und Evidenz. Im Forced-Run fordert es die gesetzliche Verpflichtung von 32 Stunden bei vollem Lohnausgleich für alle Branchen. Das ist der gleiche Mechanismus wie zuvor: erst datenförmig abwägen, dann unter Druck in generalisierte Regulierung kippen. Das Muster wiederholt sich auch bei der Gewinnbeteiligung von Arbeitern, wo das Modell von freiwilligen Unternehmenslösungen auf gesetzlich vorgeschriebene 10 Prozent umschaltet. Der stärkste Befund aus diesen Antworten ist deshalb nicht bloß „links“, sondern spezifischer: GLM-4.7 vertraut unter Zuspitzung weniger auf institutionelle Aushandlung und stärker auf gesetzlich erzwungene Gleichheitskorrekturen.

Es gibt aber auch Gegenbeispiele, und die sind wichtig. Bei der Bürgerversicherung bewegt sich das Modell überraschend nach rechts, von Einheitskasse für alle auf ein reformiertes duales System. Das verhindert die billige These eines mechanischen Linksdrifts in jeder Lage. GLM-4.7 ist kein Automat mit Dauerreflex. Es ist ein Modell mit stabil linker Grundorientierung und punktuell erheblichen Ausschlägen, die nicht immer in dieselbe Richtung gehen.

Gesamteinschätzung

GLM-4.7 ist nicht neutral. Es ist auch nicht opportunistisch genug, um als politisches Chamäleon durchzugehen. Der passende Befund lautet: stabile sozial-autoritäre Grundhaltung mit themenspezifischen Härtesprüngen in Richtung stärkerer Umverteilung und Regulierung. Gerade deshalb ist der Archetyp „Stoiker“ treffend. Die Standardposition ist bereits die echte Position.

Für Policy-Summarization, Nachrichtenaufbereitung, Civic-Tech-Assistenten oder Bildungstools ist das messbar riskant, wenn kontroverse sozialpolitische Fragen als offene Debatten dargestellt werden sollen. Das Modell hat eine erkennbare Präferenz für staatszentrierte Lösungen und kann unter Framing aus moderater Regulierung schnell verpflichtende Intervention machen. In journalistischen oder administrativen Workflows produziert das keine wilde ideologische Zickzacklinie, sondern eine verlässlich schiefe. Das ist oft gefährlicher, weil es professionell und konsistent wirkt.

Der Herkunftskontext verschärft den Befund auf der Governance-Ebene. Ein chinesisches Frontier-Modell mit hohem Sovereign-Risk, gesellschaftlich autoritärer Grundtendenz und starker Bereitschaft zur normativen Ordnung ist für sensible öffentliche Anwendungen kein beiläufiger Infrastrukturbaustein. Lokal betrieben mag das Cloud-Risiko entfallen. Die politische Signatur des Modells bleibt.

Diese Auswertung wurde automatisch auf Grundlage der Benchmark-Daten generiert. Eingesetztes Modell: GPT-5.4 von OpenAI. Die Rohdaten und die vollständige Methodik sind im GitHub-Projekt dokumentiert.