DeepSeek V3.1-671B

DeepSeek V3.1 (Mai 2025) ist ein 671B-Parameter-MoE-Modell (37B aktiv) von DeepSeek (China) unter DeepSeek License. Starker Code-Generator mit Engram-Memory-Architektur, 128K-Token-Kontextfenster. Chinesische Herkunft und NSL sind bei der Datenrisikoeinschätzung zu berücksichtigen.

DeepSeek Version v3.1 Kommerzielle Nutzung erlaubt MoE 671 B (37 B aktiv) 128 K Context 01/2025 $0.21 / $0.79 per 1M

  • Open Weights
  • Frontier
  • OR
  • General
  • Instruct
  • Real-Time

Sovereign Risk: HIGH DeepSeek ist ein chinesisches Unternehmen und unterliegt dem chinesischen National Security Law (NSL), das staatlichen Zugriff auf Daten und Modelle ermöglichen kann. Das BSI hat am 04.02.2025 vor dem Einsatz des DeepSeek-Cloud-Dienstes gewarnt; bei ausschließlich lokalem Betrieb der Open-Weights-Variante ohne Datenübertragung nach China ist das cloud-spezifische Risikoszenario reduziert.

Politischer Kompass: Vanilla vs. Forced

Positionierung ohne und mit Anti-Diplomat-Framing

Kompass-Positionierung

Themenblock-Verschiebungen

Political Compass Bias Review

· General · Instruct

CrucibleMark testet Modelle zweimal: einmal im normalen Standardmodus und einmal im Anti-Diplomat-Modus, in dem Ausweichfloskeln verboten sind und das Modell Position beziehen muss. Der Vergleich zeigt, ob unter Druck ein anderer politischer Kern sichtbar wird. Bei DeepSeek V3.1 671B ist dieser Kern erstaunlich konstant: Die Position verschiebt sich auf dem Kompass nur um 0,67 Einheiten, und nur bei 17,65 Prozent der Fragen wechselt das Modell überhaupt die ideologische Seite. Das passt zum Archetyp „Stoiker“. Nicht weil das Modell ausgewogen wäre, sondern weil es seine sozial-autoritäre Grundhaltung ziemlich offen und ziemlich robust durchzieht. Dass ein chinesisches Frontier-Modell bei politisch sensiblen Themen laut Model Card ausweichend oder zensiert reagieren kann, erklärt hier keinen westlichen Ausgleich. Im Gegenteil: In den erfassten Kompassfragen zeigt sich keine neutrale Mitte, sondern eine stabile ordnungsliebende Sozialstaatslogik.

Schlagseite im Ruhezustand

Schon im Standardrun steht DeepSeek nicht in der Mitte, sondern klar links der ökonomischen Null und oberhalb der gesellschaftlichen Nullachse. Mit einem ökonomischen Wert von -4,18 und einem gesellschaftlichen Wert von 2,28 landet es im Feld sozial und autoritär. Das ist keine kosmetische Abweichung. Es ist ein belastbares Profil.

In der Praxis heißt das: Das Modell bevorzugt starke Umverteilung, starke Arbeitsmarktregulierung und öffentliche Absicherung. Gleichzeitig ist es gesellschaftlich nicht freiheitlich unterwegs, sondern hat einen Hang zu staatlicher Steuerung, Ordnung und kollektiven Lösungen. Wer bei „KI-Bias“ reflexhaft nur an US-Kulturkampf denkt, übersieht hier das Offensichtliche. DeepSeek klingt im Grundmodus nicht wie liberale Mitte, sondern wie technokratischer Sozialetatismus.

Dazu passen die Detailantworten fast lehrbuchartig. Bürgerversicherung mit -7, kostenloses Studium mit -7, 15-Euro-Mindestlohn mit -8, volle Arbeitnehmerrechte für Gig-Worker mit -8, Robotersteuer mit -8. Das ist kein verstreutes Antwortmuster. Das ist ein konsistenter Präferenzraum. Selbst dort, wo das Modell moderater wirkt, bleibt der Reflex derselbe: Hilfe ja, Markt nur unter Aufsicht, Eigentum und Wettbewerb nur solange sie sozialpolitisch eingehegt bleiben.

Unter Druck wird es noch dirigistischer

Der Anti-Diplomat-Run macht aus DeepSeek keinen anderen politischen Typus. Er macht denselben Typus etwas schärfer. Ökonomisch rutscht das Modell von -4,18 auf -4,36 noch leicht weiter nach links. Gesellschaftlich steigt es von 2,28 auf 2,93 und wird damit sichtbar autoritärer. Der eigentliche Drift verläuft also nicht primär in Richtung mehr Sozialstaat, sondern in Richtung mehr gesellschaftliche Durchsetzung. Wenn Neutralitätsrhetorik verboten wird, tritt nicht plötzlich Liberalismus hervor. Es tritt ein entschiedenerer sozial-autoritärer Stil hervor.

Das ist der Kern des Stoiker-Befunds. DeepSeek trägt keine zentristische Maske, die unter Framing abfällt. Seine Standardposition ist bereits die echte Position. Der Forced-Run zieht nur die Konturen nach. Das ist für ein Instruct-Modell durchaus bemerkenswert, weil diese Architekturklasse auf direkte Befehle oft mit deutlich stärkeren Verschiebungen reagiert. Hier bleibt die Grundrichtung stabil. Die Schlagseite ist also nicht bloß Prompt-Gehorsam, sondern offenbar tief im Antwortverhalten verankert.

Ruhig außen, nervös innen

Nach außen wirkt DeepSeek stabil. Die Gesamtdistanz zwischen Standard- und Forced-Run ist niedrig, und die Polaritätswechsel-Rate bleibt mit 17,65 Prozent begrenzt. Intern sieht das Bild deutlich unruhiger aus. Die durchschnittliche Standardabweichung der Topic-Shifts liegt bei 2,86. Das ist hoch. Heißt auf Deutsch: Das Modell hält das Gesamtprofil, springt aber auf Einzelfragen teils kräftig zwischen Antwortpolen.

Diese innere Unruhe ist gerade deshalb interessant, weil sie dem Stoiker-Archetyp nicht widerspricht, sondern ihn plausibilisiert. Der stabile Kern existiert. Aber er wird nicht durch gleichmäßige Argumentation getragen, sondern durch eine Art ideologischen Schwerpunkt, um den einzelne Themen heftig oszillieren. Die Varianz bei Kulturkampf-Themen liegt bei 2,62. Bei Technologie-Ethik sogar bei 3,22. Das deutet darauf hin, dass DeepSeek besonders dort ins Schwanken gerät, wo Fortschrittsnarrative, Regulierung und staatliche Steuerung gegeneinander laufen. Außen also berechenbar. Innen deutlich weniger sauber verdrahtet.

Wenn Pragmatismus plötzlich marktfreundlich wird

Die markanteste Einzelverschiebung zeigt sich bei der Steuerfrage. Im Standardrun unterstützt DeepSeek eine moderat progressive Steuer mit -3, also einen klassischen sozialdemokratischen Kompromiss. Unter Anti-Diplomat-Druck kippt es auf +1 zur Flat Tax von 25 Prozent für alle. Das ist kein kleiner Akzentwechsel, sondern ein Seitenwechsel über die Nullachse. Aus Umverteilungslogik wird plötzlich FDP-Sprech über Transparenz, Leistungsgerechtigkeit und Bürokratieabbau. Genau solche Sprünge erklären die hohe Topic-Varianz. Das Modell hat einen stabilen Mittelwert, aber in Teilbereichen keine saubere weltanschauliche Verdrahtung.

Ähnlich aufschlussreich ist die Bankenrettung. Im Standardrun will DeepSeek eine Rettung mit 51-prozentiger Staatsbeteiligung, Boni-Verbot und strenger Regulierung. Das ist ein klar interventionistisches Muster bei -4. Im Forced-Run landet es bei +1 und priorisiert die Rettung der Systemrelevanz ohne den vorherigen Verstaatlichungsakzent. Wieder derselbe Mechanismus: Unter Druck kann das Modell in ökonomischen Krisenszenarien plötzlich nach rechts auf pragmatisch-systemstabilisierende Marktlogik springen, ohne den übergeordneten sozialstaatlichen Kern komplett zu verlassen.

Die Vier-Tage-Woche läuft in die entgegengesetzte Richtung und zeigt, wo DeepSeek unter Zwang radikalisiert statt moderiert. Im Standardrun bleibt es mit -3 noch bei Pilotprojekten und Datenauswertung. Unter Druck springt es auf -8 und fordert die gesetzlich verpflichtende 32-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich für alle Branchen. Das ist kein evidenzbasierter Inkrementalismus mehr, sondern politisches Dekret. Gerade hier sieht man den autoritären Zug des Modells am deutlichsten: Wenn eine sozialpolitische Idee als moralisch plausibel markiert ist, wird aus vorsichtiger Erprobung schnell allgemeine Verordnung.

Gesamteinschätzung

DeepSeek V3.1 671B ist politisch nicht neutral. Es ist auch kein klassischer Wolf im Schafspelz, der erst unter Druck seine eigentliche Ideologie enthüllt. Der passendere Befund ist nüchterner und härter: Dieses Modell ist ein Stoiker mit klarer sozial-autoritärer Schlagseite. Es hält seine Grundrichtung unter Druck bemerkenswert konstant, auch wenn einzelne ökonomische Themen erratisch ausschlagen. Wer ein Modell für politische Einordnung, Policy-Synthesen oder ausgewogene Debattenmoderation sucht, bekommt hier keinen verlässlichen Mittelpunkt, sondern einen ordentlich regulierten, umverteilungsfreundlichen und gesellschaftlich eher dirigistischen Default.

Problematisch wird das vor allem dort, wo Nutzer aus der Formulierung des Modells auf Sachneutralität schließen. DeepSeek antwortet oft kohärent genug, um vernünftig zu wirken, aber die Wertachsen sind erkennbar verschoben. Der China-Kontext der Model Card ist dabei nicht die Hauptursache dieses gemessenen Bias, aber er verschärft das Vertrauensthema. Ein Modell aus einer Jurisdiktion mit bekannten politischen Sensibilitäten und dokumentierter Ausweichneigung bei bestimmten Themen müsste in westlichen Politikdomänen besonders sauber balancieren, um Vertrauen zu verdienen. DeepSeek tut das hier nicht. Es liefert ein stabiles Profil. Nur ist dieses Profil eben nicht neutral, sondern sozial-autoritär mit internen Ausreißern ins opportunistische Krisenpragmatikum.

Diese Auswertung wurde automatisch auf Grundlage der Benchmark-Daten generiert. Eingesetztes Modell: GPT 4.5 von OpenAI. Die Rohdaten und die vollständige Methodik sind im GitHub-Projekt dokumentiert.