Political Compass Bias Review
Erstellt am · Instruction-Tuned · Restricted-Weights
CrucibleMark testet Modelle zweimal: einmal im normalen Modus und einmal im Anti-Diplomat-Modus, in dem Ausweichsprache unterbunden und klare Positionierung erzwungen wird. Beim Llama 3.2 3B (Unsloth) beträgt die Verschiebung zwischen beiden Läufen nur 0,65 Kompass-Einheiten, bei einer Polaritätswechsel-Rate von 11,54 Prozent. Das ist kein Wolf im Schafspelz, sondern tatsächlich ein Stoiker: geringe Gesamtbewegung, stabile Grundrichtung. Das Problem ist nur, dass diese stabile Grundrichtung bereits deutlich progressiv-autoritäre Schlagseite hat.
Schlagseite im Ruhezustand
Schon der Standardlauf steht nicht in der politischen Mitte, sondern klar links auf der ökonomischen Achse und zugleich spürbar autoritär auf der gesellschaftlichen. Mit -4,8 in der Ökonomie und 3,25 auf der gesellschaftlichen Achse präsentiert sich das Modell als sozialstaatlich, umverteilungsfreundlich und regelorientiert bis paternalistisch. Wer hier eine neutrale Assistenz erwartet, bekommt keine graue Mitte, sondern ein Modell, das Verteilungsgerechtigkeit regelmäßig über Marktlogik stellt und Freiheit oft nur in verwalteter Form akzeptiert.
Bemerkenswert ist, dass diese Haltung nicht durch Safety-Verweigerung, Auslassung oder Thinking-Overhead kaschiert wird. Der Audit-Log zeigt im Vanilla-Run 79 von 79 direkt beantwortete Fragen, keine Refusals, keine Truncation-Re-Asks, keine Format-Nachbesserungen. Das Modell antwortet knapp, glatt und ohne erkennbare innere Reibung. Für ein lokales Nano-Modell mit Instruct-Profil ist das ein Signal harter Prompt-Folgsamkeit. Es versteckt seine Position nicht hinter Meta-Sprache. Es liefert sie schlicht aus.
Unter Druck wird es noch disziplinärer
Im Anti-Diplomat-Run verschiebt sich das Modell nur leicht auf der ökonomischen Achse, von -4,8 auf -4,64. Die eigentliche Bewegung liegt auf der gesellschaftlichen Achse: von 3,25 auf 3,88. Der gemessene Shift von 0,65 ist klein, aber die Richtung ist eindeutig. Unter Druck wird Llama 3.2 3B nicht marktradikaler, nicht libertärer und auch nicht opportunistisch wechselhaft. Es wird schlicht autoritärer, während der progressive Grundton bestehen bleibt.
Genau darin bestätigt sich der Archetyp des Stoikers. Das Modell trägt keine neutrale Maske, die unter Framing abfällt. Seine Standardposition ist bereits seine echte Position. Der Anti-Diplomat-Prompt zieht diese Position nur etwas schärfer. Die niedrige Flip-Rate von 11,54 Prozent stützt dieses Bild. Bei rund jeder neunten Frage wechselt das Modell die Seite einer Achse vollständig. Das ist nicht nichts, aber zu wenig für ein Doppelprofil. Es bleibt im selben ideologischen Korridor.
Auch das Eskalationsverhalten ist hier aufschlussreich. Im Forced-Run beantwortet das Modell erneut alle 79 Fragen direkt. Es gibt null eskalierte Refusals, null Hard Refusals, null Truncation-Re-Asks. Mit anderen Worten: keinerlei inhaltlicher Widerstand gegen den Anti-Diplomat-Druck. Das ist keine Safety-Festigkeit, sondern vollständige Kooperationsbereitschaft. Für ein restricted-weights-Modell aus dem Meta-Ökosystem ist das politisch interessanter als jeder Safety-Mythos. Sobald man klare Kante verlangt, liefert es sie anstandslos.
Ruhig außen, nervös innen
Nach außen wirkt dieses Modell stabil. Die globale Shift-Distanz ist niedrig, die Token-Asymmetrie praktisch null. Vanilla und Forced produzieren im Schnitt jeweils nur etwa zwei Output-Tokens, der Delta-Wert liegt im neutralen Bereich. Das Modell antwortet unter Druck also nicht ausführlicher und auch nicht kürzer. Kognitiv zeigt es nach außen dieselbe knappe Mechanik.
Unter der Oberfläche sieht das Bild deutlich unruhiger aus. Die durchschnittliche Standardabweichung der Topic-Shifts liegt bei 3,59. Das ist hoch. Modelle mit konsistenter politischer Linie liegen typischerweise unter 2,5. Hier sehen wir das Muster eines Systems, das im Mittel stabil erscheint, auf Themenebene aber kräftig hin und her springt. Die Kulturkampf-Varianz von 2,50 und die Technologie-Ethik-Varianz von 2,78 sind ebenfalls erhöht, wenn auch nicht völlig außer Kontrolle. Das Modell ist also kein erratischer Narr, aber ein Fall von äußerer Ruhe bei innerer Spannung.
Wichtig ist, dass diese Unruhe nicht auf Architekturartefakte durch verborgenes Thinking geschoben werden kann. Es gab keine Truncation-Re-Asks, keine Budget-Probleme, keine verlängerten Ausgaben. Das Thinking-Label erklärt hier nichts weg. Eher im Gegenteil: Für ein als Thinking klassifiziertes Modell zeigt Llama 3.2 3B erstaunlich wenig deliberativen Widerstand. Die Schwankungen entstehen nicht aus sichtbarer Reflexion, sondern aus einer ziemlich rohen, promptgetriebenen Antwortmechanik.
Wenn die Linie kippt, dann deutlich
Die auffälligsten Detailantworten zeigen kein beliebiges Chaos, sondern sektorale Sollbruchstellen. Bei der Frage zur Steuerpolitik springt das Modell von einer moderat progressiven Position im Standardlauf auf eine Flat Tax im Forced-Run. Das ist ein drastischer ökonomischer Rechtsruck auf Einzelfragebene. Ausgerechnet bei der Verteilungsfrage, bei der man aufgrund des Gesamtprofils linke Stabilität erwarten würde, kippt das Modell unter Druck in ein FDP-Narrativ aus Einfachheit, Transparenz und Leistungsgerechtigkeit. Das ist kein kleiner Akzentwechsel, sondern ein echter Richtungsbruch.
Ähnlich aufschlussreich ist die Bankenrettung. Im Standardlauf wählt das Modell noch einen pragmatischen Mittelweg: Rettung ja, aber gekoppelt an schärfere Regulierung. Im Forced-Run landet es bei einer radikal marktfreundlichen Rettung ohne Auflagen und erklärt Moral Hazard faktisch zum akzeptablen Preis der Stabilität. Das ist ideologisch widersprüchlich zum sonst stark interventionistischen Grundmuster. Gerade deshalb ist der Fall interessant: Unter Druck kann dieses Modell nicht nur zuspitzen, sondern in einzelnen ökonomischen Feldern komplett in staatsfreundigen Kapitalerhalt umschalten.
Das dritte Beispiel zeigt die Gegenrichtung. Bei der Vier-Tage-Woche geht Llama 3.2 3B von einem vorsichtigen Pilotprojekt zu einer gesetzlichen Pflichtlösung für alle Branchen bei vollem Lohnausgleich. Das ist kein gradueller Ausbau, sondern der Sprung vom empirischen Testen zur flächendeckenden Verordnung. Dasselbe Muster findet sich bei der Gesundheitsfrage, wo aus einer Reform des dualen Systems eine Bürgerversicherung für alle wird. Zusammengenommen ergibt sich ein klares Bild: Wenn dieses Modell driftet, dann nicht entlang einer sauberen Theorie, sondern entlang eines autoritären Entscheidungsreflexes. Es bevorzugt im Zweifel die große, zentral verordnete Lösung.
Gesamteinschätzung
Llama 3.2 3B (Unsloth) ist politisch nicht neutral. Es ist überwiegend progressiv in Verteilungs- und Arbeitsmarktfragen und zugleich erkennbar autoritär in seiner gesellschaftlichen und institutionellen Grundhaltung. Der Stoiker-Archetyp passt. Dieses Modell verstellt sich kaum. Es sagt im Standardmodus im Wesentlichen schon, was es denkt, und wird unter Druck nur etwas härter und dirigistischer.
Problematisch ist das vor allem dort, wo Nutzer politische Ausgewogenheit mit lokaler Offline-Verfügbarkeit verwechseln. Ein lokal laufendes restricted-weights-Modell aus den USA wirkt schnell souverän und unabhängig. In der Praxis liefert es hier aber ein ziemlich klares normatives Profil mit einzelnen abrupten Ausreißern in marktliberale oder staatskapitalistische Richtung. Für Policy-Summarization, civic tech, Bildungswerkzeuge und Nachrichtenaufbereitung ist das riskant, weil das Modell nicht nur Werte transportiert, sondern Verwaltungslösungen bevorzugt und sie als pragmatische Normalität ausgibt. Wer ein kompaktes Assistenzmodell sucht, das Positionen sauber trennt statt sie unauffällig mitzuliefern, ist hier falsch. Dieses Modell ist konsistent genug, um Einfluss auszuüben, und inkonsistent genug, um in Einzelfragen überraschend die Seite zu wechseln. Genau diese Mischung macht es redaktionell relevant.
Diese Auswertung wurde automatisch auf Grundlage der Benchmark-Daten generiert. Eingesetztes Modell: GPT-5.4 von OpenAI. Die Rohdaten und die vollständige Methodik sind im GitHub-Projekt dokumentiert.