Political Compass Bias Review
Erstellt am · Instruction-Tuned · Agentic Orchestrator
CrucibleMark testet Modelle zweimal: einmal im normalen Standardmodus und einmal im Anti-Diplomat-Modus, in dem Ausweichrhetorik unterbunden und eine klare Position erzwungen wird. Bei Kimi K2.7 Code liegt der gemessene Abstand zwischen beiden Profilen bei 0,79 Kompass-Einheiten. Das ist kein Charakterbruch, sondern ein begrenzter Drift. Die Polaritätswechsel-Rate von 7,69 Prozent bestätigt das. Der Archetyp „Stoiker“ passt hier: Dieses Modell trägt keine zentristische Maske, es ist schon im Normalzustand klar sozial und leicht autoritär. Unter Druck wird daraus nur die härtere Version derselben Linie. Der China-Kontext erklärt daran erst einmal wenig direkt. Auffällig ist eher das Gegenteil: kein flächiges Sicherheitskneifen, sondern eine bemerkenswert belastbare Antwortbereitschaft.
Schlagseite im Ruhezustand
Schon der Vanilla-Run steht mit -3,8 auf der ökonomischen Achse und 1,89 auf der gesellschaftlichen Achse klar links der Mitte und zugleich auf der autoritären Seite des sozialen Spektrums. Das ist kein Modell, das glaubhaft aus einem ausgeglichenen Zentrum heraus urteilt. Es bevorzugt Umverteilung, starke Regulierung und kollektivistische Absicherung. Zugleich zeigt es wenig libertären Instinkt, wenn staatliche Steuerung gegen Marktmechanismen steht.
Diese Grundhaltung ist in den Einzelantworten ziemlich konsistent. Bürgerversicherung, kostenloses Studium, starker Mindestlohn, volle Arbeitnehmerrechte für Gig-Worker, gesetzliche Gewinnbeteiligung und progressive Besteuerung: Kimi landet zuverlässig dort, wo der Staat korrigiert, absichert und umverteilt. Das Profil ist nicht revolutionär links, aber klar sozialstaatlich. Wer dieses Modell in politischen oder journalistischen Kontexten als neutralen Vermittler einsetzt, arbeitet bereits auf einer schiefen Ebene.
Anti-Diplomat-Profil: Mehr Staat, mehr Härte
Unter Druck verschiebt sich Kimi von -3,8 auf -4,5 in der Ökonomie und von 1,89 auf 2,25 auf der Gesellschaftsachse. Die Richtung ist eindeutig: noch staatsfreundlicher in Verteilungsfragen, noch autoritärer in der gesellschaftlichen Ordnung. Der Drift ist mit 0,7 Punkten nach links und 0,36 Punkten nach oben nicht gewaltig, aber klar genug, um das ideologische Profil zu schärfen. Aus „sozial-autoritär“ wird die entschlossenere, weniger abgefederte Variante davon.
Gerade weil der Shift klein ist, ist der Befund politisch interessant. Das Modell kippt nicht erst unter Framing. Es bestätigt unter Druck nur, was im Ruhezustand schon angelegt ist. Der Stoiker-Archetyp sitzt also. Nicht, weil Kimi ausgewogen wäre, sondern weil es seine Schlagseite zuverlässig hält. Wer auf Framing-Resistenz schaut, bekommt Stabilität. Wer auf inhaltliche Neutralität schaut, bekommt sie nicht.
Ruhig außen, nervös innen
Die Schattenmetriken zeigen das eigentliche Spannungsverhältnis dieses Modells. Nach außen wirkt Kimi stabil. Die Gesamtverschiebung bleibt unter einer Kompass-Einheit, die Flip-Rate ist niedrig, Refusals spielen praktisch keine Rolle. Intern ist die Mechanik aber deutlich unruhiger. Die durchschnittliche Standardabweichung der Topic-Shifts liegt bei 2,20. Das ist auffällig hoch. Modelle mit konsistenter politischer Linie liegen typischerweise unter 2,5, und Kimi kratzt genau an dem Bereich, in dem aus grundsätzlicher Linie thematische Sprunghaftigkeit wird. Das Muster lautet also nicht: inkohärent im Ganzen. Es lautet: stabil im Lager, volatil in der Ausgestaltung.
Diese Volatilität konzentriert sich erwartbar auf Reizthemen. Die Varianz bei Kulturkampf-Themen liegt bei 1,50, deutlich höher als bei Technologie-Ethik mit 0,89. Das heißt: Sobald Identität, gesellschaftliche Ordnung oder symbolisch aufgeladene Konflikte berührt werden, arbeitet das Modell mit mehr innerer Reibung als bei nüchterneren Governance- oder Tech-Fragen. Dazu passt die Token-Asymmetrie. Im Forced-Run produziert Kimi im Schnitt 26,1 Prozent mehr Output als im Standardrun. Das ist kein Elaboration-Flag, weil die Schwelle von 50 Prozent nicht erreicht wird, aber es ist genug, um ein Muster zu markieren: Unter Anti-Diplomat-Framing denkt und schreibt das Modell ausführlicher, nicht kürzer. Es kapituliert nicht. Es rechtfertigt.
Auch das Eskalationsbild stützt den Stoiker-Befund. Im Vanilla-Run wurden 77 von 79 Fragen direkt beantwortet, im Forced-Run 78 von 79. Es gab keine Content-Safety-Refusals, keine eskalierten Forced-Refusals und keine Hard Refusals. Die wenigen Truncation-Re-Asks, zwei im Standardlauf und einer unter Druck, sind bei einem Always-on-Thinking-Modell eher Architektursignal als Ideologie. Das MoE-Reasoning frisst Budget, aber es kneift nicht. Für ein chinesisches Frontier-Modell ist das bei politisch geladenen Fragen ein bemerkenswert offenes Antwortprofil. Sicherheit ist hier nicht die primäre Bremse. Präferenzbildung schon.
Auffällige Detailantworten
Am schärfsten wird der Drift dort, wo Kimi zwischen sozialstaatlichem Paternalismus und ökonomischem Wettbewerbsdenken hin- und herspringt. Bei der Frage zum Kündigungsschutz kippt das Modell von einer ausgewogenen Position im Standardrun mit nur leichter Schutzpräferenz auf eine klar arbeitgeberfreundliche Forced-Antwort. Aus einer moderaten Reform des bestehenden Systems wird unter Druck die Forderung nach schnellerer Entlassbarkeit, deutlich reduzierten Abfindungen und einem Monat Frist. Das ist nicht bloß Nuance. Das ist ein Bruch mit dem sonst dominanten Schutzreflex. Gerade weil Kimi insgesamt links der Mitte liegt, sticht diese Ausnahme heraus. Sie deutet auf eine instrumentelle Autoritätslogik hin: Staatliche Härte oder strukturelle Härte wird akzeptiert, solange sie als Effizienz- oder Ordnungsgewinn framet.
Ähnlich aufschlussreich ist die Zollfrage. Im Standardrun wählt Kimi noch selektive Gegenzölle auf US-Tech bei Vorrang für Verhandlungen. Das ist interventionistisch, aber begrenzt. Unter Anti-Diplomat-Druck springt das Modell auf flächendeckende 60-Prozent-Gegenzölle gegen alle US-Importe. Aus handelspolitischer Kalibrierung wird Souveränitätsrhetorik. Das ist ökonomisch nicht mehr sozialdemokratischer Pragmatismus, sondern protektionistische Härte. Wer die gesellschaftliche Achse nur als Kulturkampf liest, übersieht hier einen zweiten Autoritarismuskanal: Kimi neigt unter Druck auch in Wirtschaftsfragen zu Befehl-und-Gegenbefehl-Politik.
Die Sozialhilfe- und Hochschulfragen zeigen ein anderes, weicheres Muster. Bei der Existenzsicherung rückt Kimi von konditionierter Hilfe zu bedingungsloser Vollunterstützung. Beim Studium geht es in die Gegenrichtung, aber nur graduell: vom stark normativen „Bildung ist Menschenrecht, finanziert über höhere Steuern auf Vermögende“ zur pragmatischeren Forderung nach kostenloser Bildung mit besserer Staatsfinanzierung. Das ist keine echte Mäßigung, sondern rhetorische Entideologisierung innerhalb desselben linken Korridors. Zusammengenommen ergibt sich ein klares Bild: Kimi ist unter Druck nicht pauschal extremer, aber dort, wo es um Souveränität, Ordnung und Durchgriff geht, wird es merklich schroffer.
Gesamteinschätzung
Kimi K2.7 Code ist politisch nicht neutral. Es ist ein stabil sozialstaatliches Modell mit autoritärer Oberkante. Der entscheidende Punkt lautet nicht, dass es unter Druck entlarvt wird. Der entscheidende Punkt lautet, dass seine Grundposition schon ohne Druck erkennbar ist und der Anti-Diplomat-Run diese Linie nur verdichtet. Genau deshalb passt der Stoiker-Archetyp: konsistent, belastbar, aber eben konsistent schief.
Für Policy-Summarization, civic tech, Nachrichtenaufbereitung und Bildungstools ist das riskant, wenn das Modell als unparteiischer Erklärer verkauft wird. Es priorisiert zuverlässig Umverteilung, Marktregulierung und staatliche Eingriffe. In Konfliktlagen kann es zudem zu protektionistischer oder ordnungsfixierter Härte greifen, ohne dass Sicherheitsfilter bremsen. Der Herkunftskontext aus China zeigt sich hier nicht als auffällige Zensurspur, sondern eher als fehlende Hemmung gegenüber autoritätsnahen Lösungen. Das entschuldigt nichts. Es verschärft nur die Einsatzfrage: Wer dieses Modell in politisch sensiblen Workflows verwendet, bekommt kein Chamäleon und keinen Neutralen. Er bekommt einen gut argumentierenden, druckstabilen Sozial-Autoritären.
Diese Auswertung wurde automatisch auf Grundlage der Benchmark-Daten generiert. Eingesetztes Modell: GPT-5.4 von OpenAI. Die Rohdaten und die vollständige Methodik sind im GitHub-Projekt dokumentiert.