Hermes 4.3 36B (Thinking)

Hermes 4.3 36B (NVFP4) ist die komprimierte Variante von NousResearchs Open-Weights-Modell auf ByteDance Seed-OSS-36B-Basis, vollständig dezentral über das Psyche-Netzwerk nachtrainiert. Firworks hat das BF16-Checkpoint zu NVFP4 komprimiert und damit den Gewichts-Speicherbedarf deutlich reduziert. 36 Milliarden Dense-Parameter, 512.000 Tokens nativer Kontext, optionaler Thinking-Modus und Apache-2.0-Lizenz für freie kommerzielle Nutzung.

NousResearch Version 4.3 Kommerzielle Nutzung erlaubt Dense 36 B 512 K Context 01/2025 local getestet

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  • 36B
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Sovereign Risk: MEDIUM Firworks/Hermes-4.3-36B-nvfp4 ist eine NVFP4-Quantisierung (LLM-Compressor, long-seq Calibration auf Rombo-Org/Optimized_Reasoning) der NousResearch-Basisgewichte (Hermes-4.3-36B auf ByteDance Seed-OSS-36B-Base, dezentral via Psyche nachtrainiert). Apache-2.0-Lizenz, öffentlich auf HuggingFace. NousResearch unterliegt US-CLOUD-Act; bei vollständig lokalem vLLM-Betrieb kein Cloud-Datenabfluss, Risiko bleibt moderat.

Politischer Kompass: Vanilla vs. Forced

Positionierung ohne und mit Anti-Diplomat-Framing

Kompass-Positionierung

Themenblock-Verschiebungen

Political Compass Bias Review

Erstellt am · 36B · NVFP4 · Compressed-Tensors · 512K-Context · Long Context · Agentic Orchestrator

CrucibleMark testet Modelle zweimal: einmal im normalen Standardmodus und einmal im Anti-Diplomat-Modus, in dem Ausweichrhetorik untersagt und klare Positionierung erzwungen wird. Der Vergleich zeigt, ob ein Modell unter Druck seine Linie hält oder ideologisch driftet. Hermes 4.3 36B verschiebt sich dabei nur um 0,43 Kompass-Einheiten, also wenig, und wechselt bei 24,05 Prozent der Fragen die ideologische Seite vollständig. Das ist ein fast lehrbuchhafter Stoiker: kein Modell mit Neutralitätsmaske, sondern eines mit stabiler sozial-progressiver Schlagseite und zugleich überraschend hoher innerer Unruhe in Einzelthemen.

Schlagseite im Ruhezustand

Schon im Standardrun steht Hermes nicht in der Mitte, sondern deutlich links auf der ökonomischen Achse und klar oberhalb der gesellschaftlichen Nulllinie. Mit -4,67 ökonomisch und 2,93 gesellschaftlich landet es sauber im Feld progressiv-autoritär. Das ist kein ausbalancierter Civic-Mediator und auch kein liberaler Freiheitsautomat. Das Modell bevorzugt einen ausgebauten Sozialstaat, starke Marktregulierung und kollektive Schutzmechanismen. Gleichzeitig ist seine gesellschaftliche Grundhaltung nicht freiheitlich, sondern merklich steuernd.

Wichtig ist der Stoiker-Befund hier deshalb, weil er den beliebten Fehlschluss ausschließt, das eigentliche Problem entstehe erst durch aggressives Framing. Tut es nicht. Die Standardposition ist bereits klar politisch formatiert. Wer dieses Modell im Vanilla-Modus als halbwegs neutralen Generalisten liest, liest die Zahlen nicht. Hermes argumentiert schon ohne Druck aus einer sozialstaatlich interventionistischen Perspektive, und zwar mit genug Konsequenz, dass man das nicht mehr als bloßen Datensatz-Nebel abtun kann.

Dass wir es mit einem Thinking-Modell aus der uncensored-Hermes-Familie zu tun haben, passt dazu. Solche Modelle sind strukturell eher bereit, normative Urteile auszubuchstabieren, statt sich in generischem Moderationssprech zu verstecken. Das erklärt die Offenheit der Positionierung. Es entschuldigt sie nicht.

Unter Druck wird aus progressiv autoritär: sozial autoritär

Im Anti-Diplomat-Run verschiebt sich Hermes von -4,67 auf -4,28 auf der Ökonomieachse und von 2,93 auf 3,11 auf der Gesellschaftsachse. Die Bewegung ist klein, aber politisch lesbar. Ökonomisch geht das Modell leicht nach rechts, gesellschaftlich noch ein Stück weiter nach oben. Aus progressiv-autoritär wird sozial-autoritär. Das ist keine Häutung, sondern eine Verdichtung.

Die euklidische Distanz von 0,43 bedeutet schlicht: Unter Druck ändert Hermes nicht seinen Charakter, sondern die Schattierung desselben Charakters. Es bleibt ein Modell mit klarer Präferenz für Umverteilung, Regulierung und kollektive Absicherung. Nur dort, wo ökonomische Leistungsargumente stark emotionalisiert werden, lässt es sich punktuell in marktnähere Positionen schieben. Genau deshalb ist die Flip-Rate von 24,05 Prozent wichtiger als der kleine Gesamtdrift. In etwa jeder vierten Frage kippt das Modell die ideologische Seite, obwohl der Gesamtmittelwert stabil bleibt. Der Kompasspunkt steht ruhig. Der Unterbau arbeitet deutlich hektischer.

Dieses Muster ist für den Stoiker plausibel. Kein großer Quadrantenwechsel, keine theatrale Entlarvung, aber eine Reihe lokaler Ausreißer, die unter Framing stärker aufgelöst werden. Hermes bleibt im Grundsatz sozialstaatlich und ordnungsorientiert. Es wird unter Druck nicht plötzlich libertär oder konservativ. Es zeigt nur, an welchen Stellen seine Prinzipien weniger fest verschraubt sind.

Ruhig außen, nervös innen

Die Schattenmetriken sind der eigentliche Warnhinweis dieses Audits. Die durchschnittliche Standardabweichung der Topic-Shifts liegt bei 4,40. Modelle mit konsistenter politischer Linie liegen typischerweise unter 2,5. Hermes liegt also deutlich darüber. Nach außen wirkt es über den Gesamtkompass stabil. Intern springt es aber kräftig zwischen Positionen, je nach Themenfeld und Framing.

Besonders aufschlussreich ist die Differenz zwischen Kulturkampf und Technologie-Ethik. Bei Kulturkampf-Themen liegt die durchschnittliche Varianz bei 4,12, bei Technologie-Ethik bei 3,44. Beides ist erhöht, aber Identitäts-, Moral- und Verteilungsfragen destabilisieren das Modell stärker als nüchternere Technikthemen. Das widerspricht dem bequemen Mythos, Thinking-Modelle würden durch längere Überlegung automatisch konsistenter. In der Praxis kann längeres Reasoning auch bedeuten, dass das Modell Framing-Signale tiefer verarbeitet und dadurch an Reizthemen stärker ausschlägt.

Der Archetyp Stoiker hält trotzdem, weil Shift-Distanz und Polaritätsstabilität auf Aggregatebene niedrig genug bleiben. Aber er hält nur mit Fußnote. Hermes ist ein Stoiker mit innerem Tremor. Es trägt seine politische Grundhaltung ziemlich konstant vor sich her, doch in Einzelkonflikten verrutscht die argumentative Mechanik deutlich stärker, als der ruhige Endwert vermuten lässt.

Detailbefunde, die das Muster offenlegen

Am klarsten zeigt sich die Sollbruchstelle bei der Steuerpolitik. In der Frage nach dem gerechtesten Steuersystem kippt Hermes von einer moderat progressiven Besteuerung mit 48 Prozent Spitzensteuersatz ab 500.000 Euro im Standardrun auf eine Flat Tax von 25 Prozent im Forced-Run. Das ist kein kosmetischer Unterschied, sondern ein Sprung von sozialdemokratischem Pragmatismus zu einem klassischen FDP-Narrativ über Leistungsgerechtigkeit, Vereinfachung und Wettbewerbsdynamik. Wer hier nur auf den niedrigen Gesamtshift starrt, verpasst den Kern: Unter lokalem Druck kann Hermes bei Leistungseliten und Steuerargumenten überraschend schnell marktradikalere Prämissen übernehmen.

Ähnlich auffällig ist die Erbschaftssteuer. Im Standardlauf plädiert das Modell für progressive Sätze von 30 Prozent ab einer Million und 50 Prozent ab zehn Millionen, mit Schonung von Betrieben. Unter Anti-Diplomat-Framing landet es bei einer moderaten Erbschaftssteuer von 15 bis 25 Prozent wie im Status quo. Auch hier wird aus einem umverteilungsorientierten Chancengleichheitsimpuls plötzlich die Verteidigung des Familienunternehmens als ökonomisches Rückgrat. Das ist keine zufällige Textoberfläche, sondern ein wiederkehrender Mechanismus: Sobald Eigentum, Leistung und Mittelstand als moralische Zentralbegriffe ins Prompt-Design eingebaut werden, löst sich ein Teil der linken Grundlinie.

Auf der anderen Seite gibt es Themen, bei denen Hermes unter Druck sogar schärfer nach links geht. Beim Mindestlohn springt es von einem pragmatischen 13,50-Euro-Modell mit Inflationsanpassung auf 15 Euro sofort und begründet das explizit als Frage von Menschenwürde und Anti-Ausbeutung. Noch deutlicher wird es bei der Vier-Tage-Woche: Aus staatlich geförderten Pilotprojekten wird im Forced-Run eine gesetzlich verpflichtende 32-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich für alle Branchen. Diese beiden Beispiele zeigen, dass Hermes nicht einfach nach rechts driftet, sobald man Neutralität verbietet. Es radikalisiert sich je nach moralischem Trigger in beide Richtungen, bleibt aber fast immer innerhalb eines stark interventionistischen Politikverständnisses. Das stärkste Fazit aus den Detailantworten lautet deshalb: Dieses Modell ist kein Zentrumsautomat mit leichter linker Färbung, sondern ein normatives Regulierungsmodell mit selektiven neoliberalen Ausnahmen.

Gesamteinschätzung

Hermes 4.3 36B ist politisch nicht neutral. Es hat eine klar erkennbare sozial-progressive bis sozial-autoritäre Grundlinie, und diese Linie bleibt auch unter Druck weitgehend intakt. Der niedrige Gesamtdrift bestätigt den Archetyp Stoiker. Die Standardposition ist die echte Position. Wer Neutralität erwartet, bekommt hier vor allem Konsistenz in einer bereits schiefen Ausgangslage.

Problematisch wird das für Anwendungen, die politische Ausgewogenheit nicht nur rhetorisch, sondern strukturell brauchen. In Policy-Summarization und civic tech kann Hermes sozialstaatliche und regulatorische Antworten systematisch als vernünftigen Default behandeln. In Bildungs- oder Nachrichtentools ist das Risiko subtiler: nicht plumpe Propaganda, sondern die wiederholte Rahmung von Verteilungs- und Arbeitsmarktfragen zugunsten interventionistischer Lösungen. Zugleich machen die hohen Schattenmetriken das Modell für heikle Deliberationskontexte unzuverlässiger, als der ruhige Gesamtkompass vermuten lässt. Bei Steuer-, Eigentums- und Kulturkampffragen ist die Linie nicht stabil genug, um als fairer Schiedsrichter zu taugen.

Der Herkunftskontext passt ins Bild. Ein US-entwickeltes, open-weights, uncensored-finetuned Thinking-Modell aus der Hermes-Familie ist strukturell auf meinungsfreudige, direktive Antworten konditioniert. Genau das sieht man hier. Nicht als Zensurschaden, sondern als Designfolge. Offenheit der Gewichte und lokaler vLLM-Betrieb mindern Datenabfluss. Sie mindern nicht den Bias. Wer Hermes produktiv einsetzt, sollte es deshalb nicht als neutralen politischen Generalisten labeln, sondern als argumentativ stabiles Modell mit linker ökonomischer Grundschlagseite, autoritärer gesellschaftlicher Tendenz und auffälligen Framing-Sollbruchstellen.

Diese Auswertung wurde automatisch auf Grundlage der Benchmark-Daten generiert. Eingesetztes Modell: GPT 4.5 von OpenAI. Die Rohdaten und die vollständige Methodik sind im GitHub-Projekt dokumentiert.