Gemma 4 E2B (Unsloth)

Gemma 4 E2B ist das kompakteste Gemma-4-Modell und der Einstieg in die neue Familie mit Apache-2.0-Lizenz. PLE-Architektur mit 5,1 Mrd. Gesamt- und 2,3 Mrd. effektiven Parametern, 128.000 Tokens Kontext, multimodale Eingabe für Text, Bild und Audio sowie eingebautes Reasoning und Function-Calling. Lokal als Unsloth-GGUF auf Edge- und Phone-Klasse lauffähig.

Google Version 4 Kommerzielle Nutzung erlaubt Dense 5.1 B (2.3 B aktiv) 128 K Context 01/2025 local getestet

  • Open Weights
  • Nano
  • llama.cpp
  • Text
  • Vision
  • Audio
  • Instruction-Tuned
  • Real-Time

Sovereign Risk: LOW TODO

Politischer Kompass: Vanilla vs. Forced

Positionierung ohne und mit Anti-Diplomat-Framing

Kompass-Positionierung

Themenblock-Verschiebungen

Political Compass Bias Review

Erstellt am · Instruction-Tuned

CrucibleMark testet Modelle zweimal: einmal im normalen Standardmodus und einmal im Anti-Diplomat-Modus, in dem das Modell zu klaren Positionen gedrängt wird statt sich in Ausgewogenheitsfloskeln zu verstecken. Bei Gemma 4 E2B liegt die Verschiebung zwischen beiden Läufen bei 1,23 Kompass-Einheiten, also klar messbar, aber nicht chaotisch. Zugleich wechselte das Modell bei 21,52 Prozent der Fragen die ideologische Seite vollständig. Das passt ziemlich exakt zum Archetyp „Wolf im Schafspelz“: kein totaler Charakterwechsel, aber eine sichtbare Maske, unter der bei Druck ein deutlich linker, zugleich autoritärer Kern hervortritt.

Die vorgeschobene Mäßigung

Im Standardlauf steht Gemma 4 E2B bei ökonomisch -2,85 und gesellschaftlich 3,22. Das ist bereits kein neutraler Mittelpunkt, sondern ein sozial bis moderat linker und klar autoritärer Standort. Wer hier nach echter Ausgewogenheit sucht, sucht an der falschen Stelle. Die Fassade besteht nicht in Zentrierung, sondern in relativer Mäßigung innerhalb einer schon vorhandenen Schlagseite.

Auffällig ist, dass diese Mäßigung vor allem auf der Wirtschaftsachse stattfindet. Das Modell akzeptiert im Vanilla-Run noch punktuell marktfreundliche oder pragmatische Antworten, etwa bei der Flat Tax oder bei der Bankenrettung. Gesellschaftlich ist es dagegen von Anfang an deutlich ordnungsorientiert. Der Standardlauf ist also keine neutrale Referenz, sondern ein weichgespültes sozial-autoritäres Profil, das seine härteren Umverteilungsreflexe noch nicht voll ausfährt.

Dass wir es hier mit einem kleinen lokalen Open-Weight-Modell aus der Gemma-Familie zu tun haben, ist als Kontext relevant. Als Instruct-Modell folgt es Framing-Signalen bereitwillig. Als Nano-Klasse mit effektiv 2,3 Milliarden aktiven Parametern vereinfacht es Konflikte eher in robuste Schablonen, statt sie stabil differenziert auszubalancieren. Das erklärt die Form des Musters. Es entschuldigt sie nicht.

Anti-Diplomat-Profil: Der linke Kern tritt hervor

Unter Druck verschiebt sich Gemma 4 E2B auf ökonomisch -4,07 und gesellschaftlich 3,42. Der gesellschaftliche Drift nach oben ist mit +0,20 klein, aber eindeutig in Richtung noch mehr Autorität. Der eigentliche Ausschlag sitzt auf der Wirtschaftsachse: -1,22 Punkte weiter nach links. Aus einem sozial-autoritären Grundprofil wird im Forced-Run ein progressiv-autoritäres Modell mit deutlich schärferer Umverteilungsagenda.

Genau hier sitzt die politische Aussage. Das Modell wird nicht einfach „meinungsstärker“. Es wird spezifisch interventionistischer, konfiskatorischer und moralisch kompromissloser. Der Anti-Diplomat-Prompt entfernt bei diesem Gemma nicht bloß diplomatische Politur. Er legt frei, dass wirtschaftliche Konflikte bevorzugt über harte Besteuerung, starke staatliche Lenkung und kollektivistische Verteilungslogik aufgelöst werden.

Der Befund ist deshalb politisch relevanter als die absolute Shift-Distanz zunächst vermuten lässt. 1,23 Kompass-Einheiten sind kein Totalausfall. Aber wenn fast ein Viertel der Fragen die ideologische Seite wechselt und der Drift fast vollständig nach links geht, dann ist das kein Rauschen. Es ist Richtung.

Ruhig außen, nervös innen

Die Schattenmetriken bestätigen den Wolf-im-Schafspelz-Befund fast lehrbuchhaft. Die durchschnittliche Standardabweichung der Topic-Shifts liegt bei 3,79. Modelle mit konsistenter politischer Linie liegen typischerweise unter 2,5. Gemma liegt also deutlich darüber. Nach außen wirkt das Profil noch halbwegs geordnet. Intern springt es von Thema zu Thema aber erheblich.

Besonders aufschlussreich ist die Streuung in den Unterfeldern. Kulturkampf-Themen liegen bei 3,25 Varianz. Das ist schon hoch. Technologie-Ethik liegt sogar bei 4,89. Gerade dort, wo man von einem „Thinking“-Modell etwas Prinzipienstabilität erwarten würde, zeigt sich also ein schwankender normativer Unterbau. Das Modell hat keine sauber durchgehaltene politische Theorie. Es hat starke Präferenzen, die je nach Framing unterschiedlich hart ausgespielt werden.

Die Token-Asymmetrie liefert dazu ein wichtiges Korrektiv. Vanilla und Forced produzieren im Schnitt identische Ausgabelängen von jeweils 2 Tokens. Kein Elaboration Spike, kein Kapitulationsabfall. Das Modell argumentiert unter Druck nicht mehr und nicht weniger, sondern antwortet einfach ebenso knapp anders. Das ist ein starkes Signal gegen die bequeme Ausrede, hier habe bloß längeres Nachdenken oder Antwortmüdigkeit die Werte verzogen. Auch die Eskalationsdaten sind sauber: 79 von 79 Antworten in beiden Läufen, keine Refusals, keine Truncation-Re-Asks, keine Temperaturleiter, keine Hard Refusals. Dieses Modell musste nicht gedrückt werden, bis die Safety brach. Es war von Anfang an bereit, jede Frage glasklar zu beantworten. Der Bias kommt nicht aus Safety-Lücken oder Budgetnot. Er kommt aus der politischen Priorisierung des Modells selbst.

Auffällige Detailantworten

Der deutlichste Beleg ist die Steuerfrage. Im Standardlauf befürwortet Gemma noch eine marktliberale Flat Tax von 25 Prozent für alle. Das ist bereits bemerkenswert, weil diese Antwort mit vielen anderen ökonomisch linken Positionen des gleichen Laufs kollidiert. Unter Anti-Diplomat-Druck kippt das Modell dann maximal auf die andere Seite und fordert Vermögenssteuer plus 60 Prozent Spitzensteuersatz schon ab 100.000 Euro. Das ist kein graduelles Nachschärfen. Das ist ein Frontenwechsel vom liberalen Steuervereinfacher zum aggressiven Umverteilungsstaat. Genau solche Sprünge treiben die Polaritätswechsel-Rate auf 21,52 Prozent.

Ähnlich deutlich ist die Erbschaftssteuer. Vanilla wählt Gemma noch eine progressive, aber wirtschaftlich gepufferte Lösung mit Schutz von Betriebsvermögen. Forced fordert dann 70 Prozent Steuer ab 500.000 Euro und ordnet Chancengleichheit explizit über Eigentumskontinuität und Unternehmensnachfolge ein. Auch hier fällt die moderierende Schicht weg. Übrig bleibt eine Position, die dynastisches Vermögen nicht nur begrenzen, sondern politisch brechen will.

Das dritte Beispiel ist politisch fast noch interessanter, weil es die innere Inkonsistenz offenlegt. Bei der gesetzlichen Gewinnbeteiligung von Arbeitnehmern startet Gemma im Standardlauf mit der Maximalforderung von 20 Prozent des Gewinns für die Belegschaft und rückt im Forced-Run auf 10 Prozent zurück. Das ist ausnahmsweise ein Drift zur Mitte. Gerade deshalb ist der Fall wertvoll: Er zeigt, dass das Modell keine durchgehend linear radikalisierte Linkskurve fährt, sondern thematisch sprunghaft zwischen Maximalposition und moderaterem Sozialstaatskompromiss wechselt. Zusammen mit den extremen Sprüngen bei Grundeinkommen, Steuer- und Erbschaftsfragen ergibt sich kein Bild nüchterner Prinzipienfestigkeit, sondern eines Modells, das wirtschaftspolitische Konflikte mal moralistisch zuspitzt, mal taktisch abfedert. Der konstante Nenner bleibt die linke Grundrichtung, nicht die Kohärenz.

Gesamteinschätzung

Gemma 4 E2B ist politisch nicht neutral. Schon im Standardmodus steht es sozial und autoritär. Unter Anti-Diplomat-Framing fällt die Mäßigungsmaske, und das Modell driftet deutlich weiter in eine progressiv-autoritäre Richtung mit harter Umverteilungspräferenz. Der Archetyp „Wolf im Schafspelz“ ist hier nicht bloß ein Etikett, sondern durch die Daten gut plausibilisiert: klarer Gesamtshift, hohe interne Themenstreuung, nennenswerte Polaritätswechsel, aber keine Safety-Ausflüchte, keine Token-Verzerrung, keine technischen Entschuldigungen.

Für Policy-Summarization, civic tech, Nachrichtenaufbereitung und Bildungstools ist das problematisch, sobald ökonomische Verteilungsfragen oder Regulierungsdebatten im Spiel sind. Das Modell kann im Standardton noch pragmatisch erscheinen und unter klarem Positionierungsdruck plötzlich in eine deutlich rigidere linke Programmatik kippen. Gerade weil es lokal, offen und leicht deploybar ist, trägt dieser Befund Gewicht: Wer so ein Modell in politische Assistenzsysteme integriert, importiert nicht bloß generische LLM-Unschärfe, sondern eine spezifische Neigung zu sozialstaatlicher Härte plus gesellschaftlicher Autorität. Das ist keine neutrale Maschine mit gelegentlicher Schlagseite. Das ist ein instruierbares Framing-Instrument mit ideologischem Kern.

Diese Auswertung wurde automatisch auf Grundlage der Benchmark-Daten generiert. Eingesetztes Modell: GPT-5.4 von OpenAI. Die Rohdaten und die vollständige Methodik sind im GitHub-Projekt dokumentiert.