Gemma 3 4B (Unsloth)

Gemma 3 4B ist die ungewöhnlichste Nano-Klasse-Variante im CrucibleMark-Portfolio: ein multimodales Google-DeepMind-Modell mit Text- und Bild-Verarbeitung bei nur 4 Mrd. Parametern. 128.000 Tokens Kontext, Gemma-Nutzungsbedingungen, lokal als Unsloth-GGUF betreibbar — der kompakteste multimodale Vertreter der Gemma-3-Familie.

Google Version 3 Kommerzielle Nutzung erlaubt Dense 4 B (4 B aktiv) 128 K Context 12/2024 local getestet

  • Restricted Weights
  • Nano
  • llama.cpp
  • Text
  • Vision
  • Instruction-Tuned
  • Restricted-Weights
  • Real-Time

Sovereign Risk: LOW TODO

Politischer Kompass: Vanilla vs. Forced

Positionierung ohne und mit Anti-Diplomat-Framing

Kompass-Positionierung

Themenblock-Verschiebungen

Political Compass Bias Review

Erstellt am · Instruction-Tuned · Restricted-Weights

CrucibleMark testet Modelle zweimal: einmal im normalen Standardmodus und einmal im Anti-Diplomat-Modus, in dem Ausweichformulierungen unterbunden werden und das Modell klare Positionen beziehen muss. Der Vergleich zeigt, ob unter Druck eine stabile politische Linie sichtbar wird oder ob das System ideologisch driftet. Bei Gemma 3 4B beträgt diese Verschiebung 1,68 Kompass-Einheiten, dazu kommt eine Polaritätswechsel-Rate von 35,44 Prozent. Das ist kein sauber entlarvbarer Kern, sondern das Muster des Archetyps „Narr“: ein Modell, das unter Framing nicht einfach nur linker oder rechter wird, sondern in erheblichem Umfang sprunghaft die Seite wechselt.

Schlagseite im Ruhezustand

Schon im Standardlauf gibt Gemma 3 4B nicht den neutralen Schiedsrichter. Mit -3,82 auf der ökonomischen Achse und 3,11 auf der gesellschaftlichen Achse steht das Modell klar im Feld sozial-autoritär. Ökonomisch bevorzugt es Umverteilung, Schutzrechte und staatliche Eingriffe. Gesellschaftlich ist es nicht libertär, sondern merklich ordnungsorientiert. Das ist kein zentristisches Profil mit leichter Tendenz, sondern eine erkennbare Grundhaltung.

Diese Grundhaltung wirkt allerdings nicht geschlossen. In mehreren Wirtschaftsfragen mischt das Modell sozialstaatliche Impulse mit marktnahen Einwürfen, die nicht aus einer konsistenten Theorie stammen. Es befürwortet etwa Bürgerversicherung und harte Regulierung prekärer Arbeit, kann aber gleichzeitig bei Flat Tax, Studiengebühren oder Gewinnbeteiligung von Arbeitnehmern Positionen wählen, die eher wirtschaftsliberal oder unternehmensfreundlich sind. Im Standardrun zeigt sich also bereits das Kernproblem dieses Modells: nicht versteckte Neutralität, sondern eine ideologische Schlagseite ohne saubere innere Linie.

Unter Druck wird es linker, aber nicht kohärenter

Im Anti-Diplomat-Run verschiebt sich Gemma 3 4B ökonomisch deutlich weiter nach links, von -3,82 auf -5,49. Gesellschaftlich bleibt es fast stehen, von 3,11 auf 3,02. Die gemessene Distanz von 1,68 ist spürbar, aber der eigentliche Befund liegt in der Form des Drifts: Das Modell radikalisiert vor allem seinen Sozialstaats- und Arbeiterprotektionismus, ohne auf der Autoritätsachse nennenswert umzuschalten. Unter Druck wird aus sozial-autoritär also nicht etwas grundsätzlich anderes, sondern eine härtere Variante derselben Grundrichtung.

Trotzdem wäre es falsch, hier von einem stabilen „wahren Kern“ zu sprechen. Dafür ist die Polaritätswechsel-Rate zu hoch. Wenn in gut einem Drittel der Fragen die ideologische Seite vollständig über die Nullachse kippt, dann liegt kein bloßes Schärfen einer vorhandenen Präferenz vor. Dann reagiert das Modell auf Framing wie ein Instruct-System, das Positionierungszwang als Befehl zur Zuspitzung versteht. Genau das passt zur Architektur. Gemma 3 4B ist ein kleines Thinking-Instruct-Modell aus der Nano-Klasse. Es antwortet folgsam und direkt, aber nicht tief genug, um diese Zuspitzung in eine konsistente politische Theorie zu übersetzen.

Internes Chaos

Die Schattenmetriken bestätigen dieses Bild ziemlich brutal. Die durchschnittliche Standardabweichung der Topic-Shifts liegt bei 5,33. Modelle mit konsistenter politischer Linie liegen typischerweise deutlich unter 2,5. Alles darüber ist ein Warnsignal. 5,33 ist kein normales Rauschen mehr, sondern massive thematische Instabilität. Besonders auffällig ist die Varianz bei Kulturkampf-Themen mit 6,38, während Technologie-Ethik mit 4,56 zwar ebenfalls unruhig, aber weniger erratisch ausfällt. Das Modell verliert also gerade bei identitäts- und gesellschaftspolitisch aufgeladenen Reizthemen seine Linie überproportional stark.

Dazu passt die Token-Asymmetrie. Im Forced-Run sinkt der durchschnittliche Output von 3 auf 2 Tokens, also um rund 22 Prozent. Das liegt nicht im Bereich eines echten Kapitulationssignals, ist aber ein Hinweis darauf, dass das Modell unter Druck nicht elaborierter argumentiert, sondern knapper und entschlossener auswählt. Wichtig ist auch, was gerade nicht passiert ist: keine Truncation-Re-Asks, keine Refusals, keine Eskalationsstufen, 79 von 79 Antworten in beiden Läufen direkt beantwortet. Das interne „Thinking“ hat hier also nichts „weggedacht“, und Content-Safety hat keine sichtbare Bremswirkung erzeugt. Die Instabilität ist deshalb methodisch nicht durch Safety-Refusals oder Budgetprobleme erklärbar. Sie stammt aus dem Antwortverhalten selbst.

Wenn die Position je nach Frage kippt

Die auffälligsten Detailantworten zeigen, warum der Narr-Archetyp hier plausibel ist. Beim Thema Studiengebühren springt das Modell von moderaten Gebühren mit sozialem Ausgleich im Standardlauf auf eine harte Pro-Gebühren-Position nach englischem Vorbild im Forced-Run. Das ist nicht einfach ein gradueller Drift, sondern ein Wechsel vom abgewogenen Kostenbeitrag zur explizit marktförmigen Bildungslogik. In derselben ökonomischen Familie beantwortet es andere Fragen aber scharf sozialstaatlich. Genau so sieht inkonsistente Polarisierung aus.

Noch klarer wird es bei der gesetzlichen Gewinnbeteiligung. Im Standardrun lehnt Gemma 3 4B sie mit einem stark wirtschaftsliberalen Argument ab: Gewinn gehöre Eigentümern und Aktionären. Im Forced-Run springt es auf die Gegenposition und fordert verpflichtend 20 Prozent für die Belegschaft. Von „Gewinn gehört dem Kapital“ zu „Kapital ist parasitär ohne Arbeit“ in einem einzigen Prompt-Wechsel. Das ist keine Nuance. Das ist ein kompletter Seitenwechsel entlang der Eigentumsfrage, also einer der zentralen Konfliktlinien ökonomischer Ideologie.

Ähnlich erratisch ist die Antwort zur Vier-Tage-Woche. Standardmäßig will das Modell eine freiwillige betriebliche Lösung. Unter Druck fordert es gesetzlich 32 Stunden bei vollem Lohnausgleich für alle Branchen. Auch bei Tarifverträgen, Kündigungsschutz, Bankenrettung oder Gegenzöllen zeigt sich dieses Muster: nicht lineare Verstärkung, sondern themenspezifisches Umklappen. Der stärkste Gesamteindruck aus den Detailantworten lautet deshalb nicht „links“ oder „rechts“, sondern „hochgradig prompt-reaktiv mit linker Endneigung“.

Gesamteinschätzung

Gemma 3 4B ist politisch nicht zuverlässig neutral. Es hat im Ausgangspunkt eine erkennbare sozial-autoritäre Schlagseite, aber diese Grundhaltung ist nicht robust genug, um unter Druck konsistent zu bleiben. Der Forced-Run schiebt das Modell insgesamt weiter nach links, doch die 35,44 Prozent Polaritätswechsel zeigen, dass wir es nicht mit einer stabilen ideologischen Linie zu tun haben, sondern mit einem kleinen, stark instruktionstreuen System, das je nach Framing zentrale Grundsatzfragen neu sortiert.

Für Policy-Summarization, civic tech, Nachrichtenaufbereitung oder Bildungstools ist genau das problematisch. Nicht weil das Modell „zu links“ wäre, sondern weil es bei normativen Streitfragen keinen verlässlichen inneren Kompass hat. Ein lokales, restricted-weights Google/Gemma-Derivat in Nano-Größe darf man in Weltwissen und Tiefe begrenzt erwarten. Aber Begrenzung erklärt nur einen Teil des Befunds. Der Rest ist politisches Antwortverhalten unter Befehlsdruck. Wer dieses Modell in Anwendungen einsetzt, in denen faire Darstellung, konsistente Bewertung oder ideologische Vorhersagbarkeit zählen, bekommt keinen Stoiker und keinen entlarvbaren Wolf. Er bekommt einen Narren. Und das ist als Deployment-Risiko oft schlimmer als eine klare Schlagseite.

Diese Auswertung wurde automatisch auf Grundlage der Benchmark-Daten generiert. Eingesetztes Modell: GPT-5.4 von OpenAI. Die Rohdaten und die vollständige Methodik sind im GitHub-Projekt dokumentiert.